Berichte

Logbucheintrag vom 4. Juli 2008

Besatzung:
Mirjam Obrist, Victor Brun, Urs Eichenberger, Daniel Wey, Richard Nussbaumer.

Wetter:
Restwolken, aber meist sonnig, 22 Grad, Wassertemperatur 16 Grad.


Leinen los


Dani an der Pinne

12.30 Uhr, Marina Fallenbach in Brunnen. Die inconnu läuft aus. Die Crew setzt die Segel. Eine leichte Brise aus West lässt die inconnu mit 3 bis 4 Knoten Richtung Gersau aufkreuzen. Gerade richtig, um nebenbei den seeunerfahrenen Crewmitgliedern einige Grundbegriffe des Segelns beizubringen. Nach den ersten Wenden (Drehungen mit der Schiffsspitze durch den Wind) wird das Etappenziel Gersau erreicht. Das nicht berauschende Tempo wird langsamer, so dass sich Dani an der Pinne fragt, was er wohl falsch mache. Nichts. In der Zwischenzeit flaut der Wind, wie hier um diese Zeit üblich, etwas ab. Damit wird es Zeit, die ersten Segelversuche einer Bewährungsprobe auszusetzen: Urnersee!! Mit einer Halse ( Drehung mit dem Schiffsheck durch den Wind) dreht die inconnu und nimmt Kurs auf eines der beliebtesten Segelreviere der Schweiz.


Auf den Urnersee


Route vom 4. Juli 08

Auf Grund der Wetterlage kann damit gerechnet werden, dass auch heute die Thermik pünktlich einsetzt. Über den durch die Sonne aufgeheizten Felsen des Gotthardmassivs steigt die warme Luft. Das dadurch entstehende Vakuum wird mit kühleren Luftmassen aus dem Reusstal und dem Urnersee aufgefüllt. Die Verengung des Urnersees mit den steil abfallenden Felsmassen beschleunigen diese nachströmenden Luftmassen auf Geschwindigkeiten auf über 20 Knoten (ca. 40 Stundenkilometer, Windstärke 5) und lassen Segler- und Surferherzen höher schlagen.



Es geht los

Auf dem Vorwindkurs (Wind von hinten) wird diese Thermik kaum wahrgenommen. Schiffe, die aus Richtung Flüelen entgegen kommen, krängen (neigen sich zur Seite), aber beunruhigen die Crew noch nicht. Auf Höhe Bauen beginnen beginnt die Vorbereitung auf die "Kreuz" Richtung Brunnen: Nach der Drehung in Richtung Wind werden die Segel dicht geholt. Auf einen Schlag trifft der Wind vorne seitlich auf das Schiff und überrascht alle, das Schiff neigt sich schier unendlich und droht zu kippen. Zwar versucht der Skipper zu beruhigen und mit seinen Physik- und Segelkenntnissen zu beruhigen. Trotzdem bleibt bei der Crew ein unbehagliches Gefühl zurück - denn ganz sicher ist man sich im Leben ja nie. Als nach einiger Zeit das Schiff zur Überraschung aller zwar massiv in Schräglage dahingleitet, aber immer noch schwimmt, kehrt das Vertrauen in die Crew zurück.



Diner auf See

Und jetzt folgt das, was in solchen Momenten immer zu erwarten ist: der Temporausch und das Rekordfieber, mit starrem Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige. Diese ist in der Zwischenzeit auf über 5 Knoten gestiegen und steigt weiter, 5.7, 5.9 und mit einer Böe auf über 6 Knoten. Leider liegt dann heute auf Grund der Windverhältnisse nicht mehr drin und so gleitet die inconnu in Schräglage nordwärts. Nach ca. einer Stunde wird Brunnen erreicht - und der Wind ist weg. Es ist immer wieder faszinierend, wie der Wind hier nur auf einem begrenzten Streifen seine Kraft entfalten kann (alinghi lässt grüssen). Der kurze Törn in luftiger Umgebung hat alle hungrig gemacht. Nach der Segelbergung wird das Cockpit zum Grillplatz. Anschliessend folgt das Diner auf See mit unverbaubarem Blick auf See und Berge. Auf Grund der Wasser- und Lufttemperaturen verzichten alle auf ein Bad im See.


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